Aus dem Archiv des Greifswalder Sportbundes

Eine Dokumentation zur Geschichte der Greifswalder Leichtathletik aus dem Jahr 2010 von Prof.Dr. Peter Hirtz, Ralph Ploen und Dr. Peer Kopelmann

Schon in den zwanziger und dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts gab es leichtathletische Wettkämpfe in Greifswald und besonders an der Universität. Spätere Olympiasieger und Deutsche Meister studierten an der Universität, besonders auch am Institut für Leibesübungen, und trainierten in unserem Volksstadion. Über die Grenzen Greifswalds hinaus bekannt wurden besonders Gerhard Stöck, Helmut Körnig und Manfred Bues.

Olympiasieger Gerhard Stöck und Europameister Manfred Bues

Gerhard Stöck studierte Sport, Geographie und Philosophie in Greifswald und hielt die Universitätsrekorde im Weitsprung mit 7,31m, im Hochsprung mit 1,85m, im Kugelstoßen mit 15,14m, im Diskuswerfen mit 46,75m und im Speerwerfen mit 67,80m. Später wurde er Studienassessor in Berlin, wo er sich dem SC Charlottenburg anschloss. 1936 gewann er bei den Olympischen Spielen in Berlin die Goldmedaille im Speerwerfen (71,84m) und die Bronzemedaille im Kugelstoßen (15,66m). 1956 und 1960 war er Chef de Mission der gemeinsamen deutschen Olympiamannschaft. Helmut Körnig studierte auch zeitweilig in Greifswald und stellte Universitätsrekorde mit 10,5 Sek. über 100m und 21,5 Sek. über 200m auf. Später war er Mitglied der deutschen 4×100-m-Staffel, die 1936 in Berlin die Silbermedaille gewann. Manfred Bues beherrschte mit seinem Bruder in den 30er Jahren in Greifswald und Pommern die 200m (22,5 Sek.) und 400m (Hochschulrekord mit 49,6 Sek.), startete dann auch für den SCC Berlin und wurde 1939 Europameister für Deutschland in der 4×400-m-Staffel gemeinsam mit dem legendären Rudolf Harbig. Nach dem Krieg kam Dr. Bues als Lehrkraft wieder an das Institut für Körpererziehung in Greifswald zurück und war maßgeblich am Wiederaufbau der Leichtathletik an der HSG beteiligt. Bemerkenswert ist noch die Leistung des Greifswalder Sprinters Dr. Strate, der bereits 1919 11,0 Sek. über 100m lief!

Der schwere Neuanfang nach dem 2. Weltkrieg

Die Leichtathletik in Greifswald fand nach dem 2. Weltkrieg Ende der 40er Jahre zunächst bei der neu gegründeten Hochschulsportgemeinschaft „Wissenschaft“ eine Aufnahme und umfangreiche Förderung. Ab 1953/54 wurde auch bei der Betriebssportgemeinschaft der Eisenbahner BSG Lok Greifswald Leichtathletik betrieben. Später entwickelten sich beachtliche Zentren der Sportart auch bei der BSG KKW Greifswald, bei der Schulsportgemeinschaft „Grün-Schwarz“ Greifswald sowie besonders auch und bis heute bei dem Greifswalder Sportverein GSV 04, worüber im folgenden berichtet werden soll.

Leichtathletik in der HSG

Die HSG-Abteilung ist so alt wie der Verein selbst, denn die Leichtathletik gehörte am 4. Mai 1949 zu den Gründungssportarten. Erster Sektionsleiter war der Sprinter Heiner Schön. Zu den „Athleten der ersten Stunde“ nach dem Krieg gehörten z.B. der sehr erfolgreiche Mittelstreckler Horst Gehrke (Foto) und der Hochspringer Heinz Hartwich, der mit 1,85m bereits 1952 DDR-Vizemeister wurde und die DDR bei Länderkämpfen vertrat und später einer der erfolgreichsten DDR-Seniorensportler wurde (über 10 mal DDR-Meister seiner Altersklasse!).