Dazu eine Stellungnahme von Bernt Petschaelis, Vorsitzender des Sportbundes Hansestadt Greifswald e.V.:

30 kommunale Sportstätten bzw. Sportanlagen hat die Hansestadt Greifswald an 19 Greifswalder Sportvereine überwiegend langfristig verpachtet. Eine Größenordnung, wie sie in kaum einer anderen Stadt ähnlicher Größenordnung in M/V, zu registrieren ist. Damit konnten im kommunalen Haushalt in den zurückliegenden Jahrzehnten erhebliche Bewirtschaftungs- und Personalkosten eingespart werden, da diese von den Sportvereinen übernommen wurden, was vorher über den städtischen Haushalt finanziert wurde. Ein ganz wichtiger Beitrag zur kommunalen Haushaltskonsolidierung ! Sehr oft waren diese Sportstätten aber bei der Übergabe durch die Kommune in einem schlechten bzw. katastrophalen Zustand, so dass nur mit sehr großem Kraftaufwand , ehrenamtlichen Engagement und in kleinen Schritten der Bestand der Sportstätten gesichert werden konnte ( z.B. Seesportclub, Blau Weiß am Georgsfeld, Fußballverein Hengste in der Stadtrandsiedlung, Sportplatz Hainstr. in Eldena ). In vielen Fällen waren die Vereine auch mehr oder weniger gezwungen, diese Sportstätten zu übernehmen, da es ansonsten keine materielle Grundlage zur Ausübung der jeweiligen Sportart gegeben hätte. Damit wurden den Sportvereinen erhebliche finanzielle Belastungen aufgebürdet.

Viele Vereine haben durch Eigeninitiative, Fördermittel des Landessportbundes und geringfügiger Hilfe der Stadt ihre Sportstätten, die weiterhin kommunales Eigentum sind, durch Investitionen aufgewertet, was die Hansestadt Greifswald so nie hätte realisieren können. Zumal sie die Fördermittel des Landessportbundes auch nicht erhalten hätte, da diese nur für Vereinssportanlagen vorgesehen sind, die von Vereine mindestens 25 Jahre gepachtet wurden. Damit haben diese Vereine in der Vergangenheit erheblich zur Verbesserung der Sportstätteninfrastruktur in Greifswald beigetragen ( z.B. Ringer in der Krullstr., HSG-Kanuten, HSG-Tennissportler, Greifswalder Yachtclub, Ruderclub Hilda) .

Nun zum eigentlichen Problem. Da bei vielen Vereinssportstätten größere Investitionen notwendig werden ( z.B. Stadtrandsiedlung – Hengste, Hainstr. Eldena – HSG, Blau Weiß – Georgsfeld, Segelvereine und Kanuten in Wieck/Eldena, Seesportclub – Eisenhammer, Ph.-Müller-Stadion – GFC, ) sind viele Vereine nicht in der Lage die zur Verfügung stehenden Fördermittel des Landessportbundes abzurufen, da sie nicht den Eigenanteil von 50% bereitstellen können. Leider gibt es die aktuelle Richtlinie der Stadt auch nicht her, diesen Anteil von der Hansestadt zu erhalten, so dass größere Investitionen bisher nicht möglich waren bzw. scheiterten. Kleinere Städte unseres Kreises wie Ückermünde und Wolgast haben dies in den zurückliegenden Jahren vorgemacht und bei Investitionen den Vereinen den notwendigen Eigenanteil überwiegend zur Verfügung gestellt. Damit konnten mehrere Sportstätten in diesen Städten erheblich aufgewertet werden, was die Kommunen selbst nicht hätte realisieren können, da sie die Fördermittel nicht bekommen hätten.

Nun sollte endlich die Erkenntnis auch in Greifswald reifen, dass zukünftig wesentlich mehr Fördermittel des Landessportbundes für Greifswald eingeworben werden, indem diese Mittel als wichtiger Beitrag (Eigenanteil) der Vereine betrachtet werden sollte und die Stadt die anderen 50% möglichst bereitstellt. Dazu ist natürlich immer eine Einzelfallentscheidung notwendig. Andere Kommunen machen dies seit vielen Jahren vor und schöpfen umfangreiche Fördermittel ab, was in Greifswald leider nicht der Fall ist und damit dieser Fördertopf nur durch kleinere Investitionen genutzt wurde. Wenn auf der Grundlage einer Prioritätenliste jedes Jahr ein größeres Projekt realisiert wird, hätten viele Vereine eine Perspektive und ein Ziel vor den Augen.
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