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Greifswald war eine Hansestadt, hatte eine Ernst-Moritz-Arndt-Universität und war eine Sportstadt aber wir wollen mehr, wollen nach ganz, ganz oben. Wie Ikarus.

Wer hoch hinaus, also fliegen will, muss zunächst Ballast abwerfen.

Damit haben wir in Greifswald schon sehr früh und, wie es sich für eine Stadt mit altehrwürdiger Alma Mater gehört, recht gründlich begonnen. Wir haben uns des Institutes für Sportwissenschaft entledigt, so den verkrampften Blick vom staubigen Buch gelöst und hinauf in den Himmel gerichtet, getreu dem wiedergefundenen Leitspruch Goethes: „Grau, teurer Freund, ist alle Theorie und grün des Lebens goldner Baum“. Nun gut, den Satz hat Mephistopheles gesprochen, aber man muss doch nun wirklich nicht aus jedem Bocksprung, jedem Torschuss jedem Speerwurf gleich eine Wissenschaft machen.

Die alten Griechen haben viel öfter Sport getrieben als wir und dafür auch kein Institut gebraucht. Na also.

Wie dem auch sei, dieser Ballast ist nun mal schon weg und unser Ballon etwas höher geflogen.

Nun hat sich die Uni auch ihres schwergewichtigen Ernst-Moritz-Arndts entledigt, ist nunmehr namenslos-also a.. bzw. gesäßlos und leicht.

Dann hatten wir noch einen eigenständigen Sportausschuss, der allerdings immer von Absolventen des o.g., wie wir nun wissen, von Beginn an überflüssigen, Institutes geleitet wurde. Da war es doch wohl logisch, dass diesem mit Sachkenntnis überfrachteten Gremium der Nährboden entzogen werden musste. Auch diesen  mürben Sack haben wir endlich abgeworfen und wieder flogen wir etwas höher.

Nun noch das Unding eines Sportamtes. Ein ganzes staatliches Gebilde allein nur für eine Nebensache, eine freiwillige Aufgabe! An dessen Spitze dazu noch ein mit Kompetenz gestrafter, ewig Gestriger des besagten Institutes.

Das konnte und durfte nicht länger geduldet werden.

Und auch das haben wir hingekriegt. Sportamt weg, Bahne frei! Wir steigen und steigen.

Schwer wiegen natürlich auch Sportstätten, die ja nur für den Spaß da sind. Doch die kosten Geld! Und bei Geld hört der Spaß doch wohl auf. Also weg mit der Sporthalle IV, mit der Sporthalle in der Feldstraße und der alten Sporthalle der C.-D.-Friedrich-Schule.

Wir schaffen das.

Zur grenzenlosen Entfaltung des Sports auf allen Ebenen, zum Flug in bisher unerreichte Höhen fehlt nur noch der Abwurf des Sportbundes.

Das ist aber keine schwere Aufgabe, denn dieser letzte faltige Sack-eher ein Beutel- hängt nur noch am seidenen Faden.

Dieser wird reißen, dann sind wir endlich schwerelos und der Weg in die Stratosphäre ist frei.

Unverbesserliche Pessimisten werden jetzt auf das Schicksal eines jeden Wetterballons hinweisen, der in entsprechender Höhe einfach platzt. Kenner der griechischen Mythologie werden auf Ikarus verwiesen, der wegen Ignoranz abstürzte, Na und? Dann geht es eben abwärts,  mangels Fallschirm verglüht man beglückt und rieselt als Asche zu Boden.

Aus dieser steigt dann nach genau 500 Jahren wieder ein Phönix auf, wie man weiß.

Was sind schon 500 Jahre gegen die Ewigkeit? Abwarten und Tee trinken, wie der derzeitige belang- und farblose Leiter des Hochschulsports an unserer namenlosen Universität.

Und dann, ja dann wird Alles ganz anders.

Reinhard Bartl