Eine-Betrachtung-zum-Problem-der-Sportstättennutzung-und--belegung-in-der-Hansestadt-Greifswald

Grundsätzlich ist festzustellen:

–  Dass in Greifswald vom Kleinkind, über Schüler, Lehrlinge  bis zum Studenten ca. 20.000 junge Menschen leben und damit  ein relativ großen Bewegungsdrang auch nach sportlicher Betätigung besteht.

– Mit fast 13.000 Vereinsmitgliedern in  79 Sportvereinen besitzt Greifswald einen sehr hohen Organisationsgrad im organisierten Sport.  Es ist prozentual mit der höchste Organisationsgrad gemessen an der Gesamtbevölkerung einer Stadt in M/V. In den Vereinen werden insgesamt  57  verschiedene Sportarten angeboten, was auch Ausdruck für ein attraktives Sportangebot und einer sehr guten Arbeit der Greifswalder Sportvereine ist.

– Auch im Senioren- und Behindertensport ist ein gestiegenes Sportbedürfnis zu verzeichnen.

– Die Ernst-Moritz-Arndt-Universität besitzt für die ca. 10.000 Studentinnen und Studenten kaum Sportstätten und die Vorhandenen befinden sind noch teilweise in einem schlechten Zustand . Deshalb versucht der Hochschulsport immer mehr auf kommunale Sportstätten auszuweichen, was zusätzliche Probleme bei der Sportstättenbelegung bereitet und den Gesamtbedarf erhöht.

– Es kann eingeschätzt werden, dass nur ca. 70% des Bedarfs der Sportvereine hinsichtlich  der Bereitstellung von Sportstätten (insbesondere Sporthallen und Sportplätze) realisiert werden kann.

– Es fehlen eindeutig Sporthallen in Greifswald. Dabei ist nicht nur ausschließlich die Pflichtaufgabe Schulsport zu sehen, sondern die Angebote der Ganztagsschulen, der Bedarf der Sportvereine , Sportangebote der Kindertagesstätten, Wünsche von Gästegruppen der Jugendherberge oder des Majuwi sowie Sportangebote für Bürger der Stadt, die nicht in Sportvereinen organisiert sind (ist aktuell nicht möglich), sollten dabei eine Rolle spielen bzw. Beachtung finden.

– Deshalb dürfen auch keine vorhandenen Sporthallen abgerissen oder verkauft werden bzw. für eine sportliche Nutzung verloren gehen, da ansonsten die Schere zwischen Bedarf und vorhandener Sportfläche noch weiter auseinander geht (z.B. Halle an der CDF-Schule, Sporthalle IV oder Sporthalle Feldstr.).

– Auch mit dem Bau der neuen Sporthalle der C.-D.-F.-Schule und einer Zweifeldsporthalle (2022/23) am Standort der neuen Grundschule in der Stadtrandsiedlung wird der vorhandene Fehlbedarf nur teilweise abgebaut ! Die hoffentlich bald beginnende Erarbeitung der Sportentwicklungsplanung für die Hansestadt Greifswald wird dies genau analysieren.

– Erfahrungen verschiedener Städte zeigen, dass festgeschriebene und starre Vergabegrundsätze von Sportstätten nichts bringen und eher hinderlich sind, um damit nicht lebensfremd zu werden. Es muss eine gewisse Flexibilität bei der Sportstättenbelegung möglich sein, bei der natürlich Grundsätze wie Kinder- und Jugendsport geht zeitlich vor Erwachsenensport, oder Hallensportarten gehen vor Freiluftsportarten oder Wettkampfsport geht vor Breitensport in der Regel aber nicht ausschließlich beachtet werden müssen. Feste Kriterien könnten auch eingeklagt werden.

-Alle Greifswalder Sporthallen sind in der Regel von 7:30 Uhr bis 22:00 Uhr bzw. punktuell bis 22:30 Uhr sowie an den Wochenenden ausgelastet. Diese  Auslastung trifft grundsätzlich auch für die Sportplätze zu. Es sollte ermöglicht werden, dass alle Sporthallen grundsätzlich bis 22:30 Uhr für den Sportbetrieb zur Verfügung stehen, um diese kleine Reserve zusätzlich zu erschließen. Darüber hinaus können Seniorensportgruppen auch in freien Zeiten am Vormittag Sporthallen nutzen!

 – Leider ist keine kontinuierliche Kontrolle der Auslastung der Sporthallen mehr gegeben, da die Hallenwarte in der Vergangenheit stark reduziert wurden und die Vereine überwiegend auf der Grundlage der Schlüsselgewalt die Sporthallen eigenständig nutzen.

– Da sich auch immer neue Sportarten (insbesondere auch durch Studenten der Universität) in Sportvereinen ansiedeln, müssen natürlich auch diese eine Chance erhalten, um sich überhaupt entwickeln bzw. existieren zu können. Um dies zu ermöglichen , müssen entweder andere Sportarten zusammenrücken oder es ergeben sich noch innerhalb der Woche (bis 22:30 Uhr) bzw. am Wochenende punktuell Reserven in Sporthallen bzw. auf Sportanlagen . So z.B. für Rollhocky, Baseball, Frisbee,  American Football, Futsal oder Rugby.

Konkret:

Die Vergabe der kommunalen Sportstätten erfolgt durch die Stadtverwaltung nach Antragstellung. Die Vergabe erfolgt in der Regel nach den oben genannten Grundsätzen, doch aufgrund des relativ großen Fehlbedarfs an Sportfläche sind sehr oft Kompromisse notwendig !!! Das bisherige Verfahren hat sich überwiegend bewährt, ist aber verbesserungsfähig.

Grundsätzlich stehen die Sporthallen den kommunalen Schulen in der Zeit von 7:00 Uhr bis 16:00 Uhr und den Sportvereinen von 16:00 Uhr bis 22:00 Uhr sowie an den Wochenenden zur Verfügung. In einigen Hallen gibt es Abweichungen je nach Unterrichtsschluss.

In der Zeit von April bis Oktober sind z.B. die Sportarten Fußball, Leichtathletik nicht in den Hallen, so dass in dieser Zeit der Fehlbedarf etwas geringer wird.

.Vorschlag: Die Winterbelegung für die Freiluftsportarten wie z.B. Fußball, Leichtathletik nur in der Zeit von Dezember bis Februar vornehmen. Damit wird der Fehlbedarf zeitlich reduziert. Die Winter werden immer milder und das Volksstadion ist z.B. durch Flutlicht ganzjährig nutzbar.

Alternativ könnte zukünftig auch der Sportbund Greifswald im Auftrag der Stadt die Belegung der Sporthallen in der Woche übernehmen, da eine entsprechende sportfachliche Kompetenz vorhanden ist und der bisherige dafür verantwortliche Angestellte der Stadt in absehbarer Zeit ausscheidet. Dazu sind aber zusätzliche Mittel von der Stadt zur Verfügung zu stellen, die andererseits im städtischen Stellenplan eingespart werden könnten.

Natürlich kann man es bei der aktuellen Sportstättensituation nie allen Sportvereinen recht machen !!! Deshalb gibt es auch immer Vereine, die nicht zufrieden sind und mehr Hallenzeiten wünschen und das sind nicht wenige (Anzahl nicht bekannt). Dies ist aber kein typisches Problem Greifswalds, sondern trifft für viele Städte bundesweit zu.

Warum können die Sporthallen der Odebrecht-Stiftung, des Ostsee-Gymnasiums , des Berufsbildungswerkes oder der Waldorfschule nicht auch von Greifswalder Sportvereinen in den späten Nachmittagsstunden und Abendstunden noch intensiver genutzt werden ? Diese Sporthallen sind sicher nicht ausgelastet und könnten den Fehlbedarf an überdachter Sportfläche verringern. Auch wenn diese Nutzung dann kostenpflichtig sein wird.

Bernt Petschaelis

zeitungsartikel-greifswald-sportbund