Sportbund Greifswald e.V

25 Jahre Sportbund Greifswald –

eine kaum wiederholbare Erfolgsgeschichte des Breitensports in der Universitäts- und Hansestadt

Mit der Gründung des Stadt- und Kreissportbundes Greifswald e.V. am 19. April 1990 in der Mensa am Wall begann auch für den organisierten Sport als Folge der politischen Wende eine tiefgreifende Umgestaltung. Von Heute auf Morgen fielen die Betriebe, Institutionen und Einrichtungen der DDR als Träger und Geldgeber des Sports weg und die Gemeinschaften waren gezwungen, sich mit der Rechtsform des eingetragenen Vereins (e.V.) zu befassen und ihre Strukturen den neuem Gegebenheiten anzupassen.

Dabei leisteten die Sportfreunde des Sportbundes der Partnerstadt Osnabrück besonders in den ersten Jahren nach der Wende wertvolle Unterstützung. Unter Federführung der Vorstandsmitglieder Walter Hunger, Peter Benicke und Dieter Brockfeld entwickelte sich in gegenseitigen Besuchen ein reger Meinungs-und Erfahrungsaustausch. Darin wurde auch die öffentliche Sportverwaltung Osnabrücks mit dem damaligen Sportamtsleiter Dieter Beckmann eingebunden.

Doch auch viele Greifswalder Sportfreunde übernahmen in dieser von Unsicherheit geprägten Zeit Verantwortung und folgten dem ersten Vorsitzenden des Stadt- und Kreissportbundes Dr. Eberhard Jeran, der unter dem Motto: „ Bewährtes erhalten und Neues gestalten“ insbesondere auf Absolventen des Institutes für Sportwissenschaft bei der Neuordnung des Sports zurückgreifen konnte.

Zu ihnen gehörten Dr. Jürgen Drenckhan, der als zuständiger Senator die Weichen auf Verwaltungsebene stellte, der Vorsitzende des Sportausschusses der Bürgerschaft, Peter Multhauf, der den politischen Raum für wichtige Investitionen aufschloss, Bernt Petschaelis, der als Leiter des Sportamtes die Vorhaben umsetzte und Dr. Eberhard Jeran, der als Vorsitzender des Sportbundes die Interessen der Sportvereine einbrachte und vertrat (Anlage Foto 1999) sowie Manfred Bogaczyk, der seine Erfahrungen als Kreissportlehrer des DTSB einbrachte und Reinhard Bartl, der ab 1991 die Geschäftsführung des Stadt-und Kreissportbundes übernahm und sie bis heute innehat.

Trotz der Vielzahl der Aufgaben, wie der Sicherung der Sportstätten vor privatem Zugriff, der Weiterführung von Arbeitsverhältnissen hauptamtlicher Trainer, der Weiterführung traditioneller Großsportveranstaltungen, der Schaffung eines kommunalen Sportfördersystems, der Interessenvertretung des Greifswalder Sports gegenüber dem Land, herrschte zu dieser Zeit eine Aufbruchstimmung, die Maßstäbe auf Landesebene setzte und von denen die Hansestadt trotz inzwischen eingeschränkter Verwaltungs-mechanismen noch heute profitiert.

Es war die konstruktive und auf Fachkompetenz basierende Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung und organisiertem Sport, die innerhalb des ersten Jahrzehnts nach der Wende die Grundlagen dafür schuf, dass Greifswald hinsichtlich der Schaffung einer ausgewogenen Sportinfrastruktur, der Nutzung des 2. Arbeitsmarktes für den Breitensport, der Mitgliederentwicklung in den Sportvereinen, der Mitarbeit in den Leitungsgremien des Landessportbundes, der Ausrichtung überregionaler und bundesweiter Großsportveranstaltungen und nicht zuletzt bei der Aus-und Fortbildung von Übungsleitern unangefochten die Spitzenposition in Mecklenburg –Vorpommern einnahm und sie bis zur letzten Kreisgebietsreform nicht abgab.

So wurden mit der Mehrzweckhalle in Schönwalde und der Arndthalle in der Innenstadt sowie der Sporthalle der Berufsschule in der Beimlerstraße drei neue Sportstätten geschaffen, das Volksstadion wurde zur Kernsportstätte der Stadt ausgebaut, der Sportplatz am Dubnaring entstand und das Freizeitbad wurde am Standort der Volksschwimmhalle neu errichtet. Viele Sporthallen erfuhren eine Grundsanierung und zahlreiche Kleinsportstätten an Schulen und in Wohngebieten entstanden.

Beim Kampf um die Sicherung von Sportstätten, insbesondere von lukrativen Wassergrundstücken vor privatem Zugriff für die weitere Nutzung durch die Vereine, leistete der Sportbund Hervorragendes.

Es gelang ihm-auch durch den Druck von Sportlerdemonstrationen vor dem Rathaus- den Abschluss langfristiger Pachtverträge zwischen Stadt und Vereinen durchzusetzen, die sich letztlich als positiv insbesondere für die Stadt herausstellten.

Diese sparte die Kosten für die Bewirtschaftung und gleichzeitig wurden die Sportstätten insbesondere durch Förderungen des Landessportbundes enorm aufgewertet.

Auf eine angemessene Beteiligung der Stadt an den Kosten für die laufende Instandhaltung warten die Vereine trotz mehrfacher Versprechungen allerdings bis heute.

Durch die Nutzung arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen der Bundesregierung konnten nicht nur die hauptamtlichen Trainer des DTSB viele Jahre weiter im Nachwuchsbereich eingesetzt, sondern auch viele ältere Sportfachkräfte in die Vereine eingebunden werden.

Als Maßnahmeträger und Arbeitgeber beschäftigte der Sportbund Greifswald in den ersten zehn Jahren seines Bestehens mehr als 200 Arbeitskräfte, die neben Übungsleitertätigkeiten insbesondere Aufbau- und Instandhaltungsarbeiten in Vereinssportstätten ausführten.

Der Versuch, diese Projekte in einen öffentlichen Beschäftigungssektor Breitensport für die strukturschwache Region Vorpommern zu überführen scheiterte trotz anfänglicher Unterstützung durch das Land letztlich an der Haltung der Bundesregierung.

Die schnelle und durchdachte Umsetzung der von der Hansestadt und dem Sportbund initiierten Sportentwicklungskonzeption wurde auch auf Landesebene wahrgenommen, da es die Erste dieser Art im Land M/V war.

Die Greifswalder Dr. Eberhard Jeran und Bernt Petschaelis wurden in das Präsidium des Landessportbundes gewählt und versuchten dort über viele Jahre ihre Erfahrungen einzubringen und insbesondere der Region Vorpommern einen angemessenen Stellenwert zu geben.

Das Potential dieser Region und insbesondere der Hansestadt wurde durch die Organisation herausragender Veranstaltungen deutlich, die Greifswald auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt machten.

So beteiligte sich die Stadt 1994 am Challenge Day, bei dem es darum ging, an einem Tag möglichst viele Einwohner sportlich aktiv werden zu lassen.

1996 richteten die Hansestädte Greifswald und Stralsund die Landesjugendsportspiele aus und beteiligten sich an dem vom Deutschen Sportbund initiierten Festival des Sports.

In Zusammenarbeit mit dem Theater fanden vor immer ausverkauftem Haus mehrere Sportschauen statt, in denen Greifswalder Sportvereine ihr Können demonstrierten.

Die erste wurde von Heinz-Florian Oertel moderiert und vom Greifswalder Para-Olympiasieger im Bogensport, Christian Bahls mit einem spektakulären Schuss eröffnet.

Sportleistungsschauen, Mitmach-Angebote und Ausstellungen von Sportgeräten, wie Segelflugzeugen, Marinekuttern, Drachenbooten und Crossmaschienen im Greifswalder Einkaufszentrum Elisenpark zogen Tausende von Besuchern an.

Darüber hinaus war der Sportbund der einzige, der landesweit keine Unterbrechung der guten Tradition der Kreisspartakiaden des DTSB zuließ. Unter dem neuen Namen „Greifswalder Schülerolympia“ wurden auch im Jahr nach der Wende die Besten der Region in breitensportlichen Wettkämpfen ermittelt. Diese Veranstaltungsserie dauert bis heute unter der Bezeichnung „Olympische Woche“ an, die seit dem Jahr 2000 mit dem Sportfest der Gymnasien Vorpommerns um einen weiteren Höhepunkt reicher wurde.

Bei dieser, in der Bundesrepublik einmaligen Veranstaltung, kämpfen alle Gymnasien der Region in den Schulsportarten Basketball, Leichtathletik, Fußball und Volleyball sowohl in Frauen- als auch in Männermannschaften um den Titel „Sportlichstes Gymnasium Vorpommerns“.

Mehr als 1000 Wettkämpfer finden sich nun schon zum 15. Male in der Hansestadt ein.

Im Wissen, dass die Übungsleiter in den Vereinen das Rückgrad der Sportorganisation sind, sorgte der Sportbund HGW von Beginn an für deren Aus-und Fortbildung.

Hier konnte er sich auf kompetente und erfahrene Lehrkräfte und Dozenten der Universität wie Dr. Volker Worm, Dr. Wolf-Dieter Schmidt, Dr. Dirk-Carsten Mahlitz und

Dr. Perre Kopelmann stützen. Mehr als 500 Sportfreunde erwarben in Greifswald die Übungsleiterlizenz für den Breitensport und fast 1000 das Zertifikat für die sportartübergreifende Basisqualifizierung als Voraussetzung für eine Fachübungsleiterausbildung.

Gemeinsam mit der Hansestadt gestaltete der Sportbund seit 1992 den jährlichen Sportehrentag, an dem zu Beginn jährlich 40 Sportfreunde für langjähriges herausragendes ehrenamtliches Wirken im Bürgerschaftssaal des Rathauses ausgezeichnet wurden.

Im Ergebnis all dieser Aktivitäten, die maßgeblich durch die Sportvereine der Hansestadt getragen wurden, stieg deren Mitgliederzahl in 25 Jahren von knapp 6000 im Jahre 1990 bis auf derzeit fast 13.000 an.

Diese Erfolge haben ihre Ursachen auch in der nicht immer konfliktfreien Zusammenarbeit sehr verschiedener Leitungsgremien des Sports in der Hansestadt. Neben dem Sportbund, deren Vorsitzende mit Dr. Eberhard Jeran, Horst Tolsdorf, Ringo Wagner, Manfred Bogaczyk, Tobias Nagel und nun Bernt Petschaelis -bis auf Tobias Nagel- alle Absolventen des Institutes für Sportwissenschaft waren, hat sich auch die Einrichtung des Sportrates bewährt, der sich als Gremium erfahrener Sportfunktionäre unter der Leitung des Sportarztes Dr. Volker Worm um die sportpolitische Ausrichtung der Organisation und um innere soziale Belange kümmert.

Auch der in seiner Ausrichtung einzigartige Sportförderverein der Hansestadt, deren Vorsitzende mit Dr. Thomas Meyer, Egbert Liskow und nun Birgit Socher gleichzeitig immer Vorsitzende der Bürgerschaft Greifswalds waren, tragen zur Akzeptanz des organisierten Sports in der Region bei.

Mit der neuerlichen, auch im Sportbereich ungeliebten Gebietsreform steht der Sportbund HGW als Teil des Kreissportbundes Vorpommern- Greifswald vor neuen Herausforderungen.

Einerseits sieht er sich weiterhin als Interessenvertreter des Greifswalder Sportes insgesamt, insbesondere natürlich der ihm angeschlossenen Vereine gegenüber der kommunalen Politik und Verwaltung, andererseits gilt es aber auch, den Standort in der Kreisstadt Greifswald weiterhin für die Sportselbstverwaltung zu sichern. Mit dem Ziel, die Basis- also unsere Sportvereine- zu stärken, sind aber auch neue Überlegungen zu künftigen Strukturen des Sports zu treffen die durchaus auch unkonventionell sein und bisherige Gepflogenheiten in Frage stellen können.

Autorenkollektiv: R. Bartl, Dr. E. Jeran, P. Multhauf, B. Petschaelis